Vanlife: Fahrzeug & Budget

 

Vanlife: Welche Herausforderungen und Formalitäten uns bei der Reise um die Welt im eigenen Fahrzeug erwarten, lest ihr hier. Alles zum Thema Verschiffung, Grenzformalitäten, Unterhalt, Dieselkosten und vieles mehr findest du hier. Zudem gewähren wir dir einen kleinen Einblick ins Thema Budget. 

Verschiffung

Unsere bevorzugte Route für die Ro-Ro Verschiffung war Halifax (CAN). Aufgrund der Corona bedingten Grenzschliessung CAN/USA entschieden wir uns für Veracruz in Mexiko. Die Strecke ist verglichen mit Halifax und Baltimore riskanter. Abenteuerliche Geschichten von ausgeräumten Fahrzeugen sind im Internet zu finden. Unsere Vermutung ist jedoch, dass der umgekehrte Weg (Veracruz – Europa) heikler ist. Wir entschieden uns, das Risiko in Kauf zu nehmen. Folgende drei Anbieter evaluierten wir genauer: Seabridge, Caravan-Shippers & IVSS. Die Offerten variieren in unterschiedlichen Punkten: Kosten, Versicherung, Dauer und Route des Frachtschiffes, Agenten in Mexiko (Sprache, Verfügbarkeit, Erfahrung & Kosten). Das für uns überzeugendste Gesamtpaket bot IVSS. Folgend einige Hintergrundgedanken zu diesen Punkten.

Kosten

Diese sind abhängig von der Versicherung und Grösse des Fahrzeuges; ein paar Kubikmeter mehr oder weniger können schnell eine grössere Preisdifferenz ausmachen. Die Kosten für unser Fahrzeug beliefen sich auf knapp € 4’000.00. Was wir bei IVSS schätzten: keine versteckten Zusatzgebühren. Die Offerte entsprach dem schlussendlichen Preis; böse Überraschungen blieben aus.

Agenten in Mexiko

Die Agenten in Mexiko sind sehr wichtig. Die Einfuhr kann theoretisch auch auf eigene Faust abgefertigt werden, davon würden wir in Mexiko abraten (siehe Prozess). Der Service kostet zwar ein paar hundert Dollar extra – auch hier waren die Preise sehr unterschiedlich – lohnt sich aber auf jeden Fall. Wichtig für uns war insbesondere die Erfahrung; je mehr Fahrzeuge ein Agent bereits eingeführt hat, umso besser. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass diese in Hafennähe stationiert sind. So kann schnell eingegriffen werden und wir sind stets auf dem aktuellen Stand. Die Sprache ist natürlich auch wichtig, die meisten sprechen jedoch Englisch.

Versicherung

Alle Anbieter bieten eine Transportversicherung an. Meist allerdings nur für das Fahrzeug, nicht den beweglichen Inhalt. Ist dieser inkludiert, ist die Versicherungssumme häufig klein. Die Chance, dass schlussendlich nicht ausbezahlt wird, hingegen gross. Zumindest hört man dies immer wieder. In unserem Falle konnten wir auf die Kasko-Versicherung der Mobiliar zurückgreifen, bei welcher das Risiko der Überfahrt gedeckt ist.

Route & Dauer

IVSS verschifft mit der K-Line. Diese fahren relativ direkte Routen; mit drei Wochen Transferzeit war die Olympian Highway der schnellste Autoliner unter den drei Anbietern. Ein Zwischenstopp wurde in Southampton (GB) und Galveston (US) eingelegt. Von anderen Schiffen hörten wir, dass diese bis zu sechs Wochen auf See sind. Da die Warterei sehr anstrengend sein kann, waren wir umso glücklicher über die kurze Transferzeit.

Eine Verschiffung ist nichts alltägliches für die meisten Reisenden, viele Fragen schwirren im Kopf herum. Darf das Fahrzeug abgeschlossen werden, muss etwas separat verzollt werden, wie sieht der Prozess mit Fahrrädern aus, wie gefährlich ist die Route wirklich? Martin von IVSS hat auf diese Fragen sehr kompetent und immer zeitnah geantwortet. Dies liegt wohl auch daran, dass IVVS schon seit mehreren Jahren nach Veracruz verschifft.

Verschiffungsprozess

Vorbereitung

Für die Überfahrt über den Atlantik muss das Fahrzeug von jeglichem Staub und Dreck befreit werden. Zudem muss die Wohnkabine “blickleer” sein. Es dürfen fast alle Artikel an Bord bleiben; bis auf explosive Gegenstände sowie jegliche Art an Lebensmitteln. Wertvolle Artikel und Elektronik empfiehlt sich, mit dem Flieger mitzunehmen. Der Gas- sowie Wassertank muss leer sein, der Dieseltank zu maximal 1/4 gefüllt. Im Vorfeld müssen einige Dokumente ausgefüllt werden, damit die Exportpapiere ausgestellt werden können. Ein paar Tage später erhalten wir die Shipping-Papiere inklusive Abfertigungsnummer. Diese wird benötigt für die Anmeldung am Hafen.

Abgabe in Bremerhaven

Drei Tage vor Abfahrt wird das Fahrzeug in Bremerhaven abgegeben. Martin teilt uns mit, dass die Abgabe zwischen 08:00-16:00Uhr erfolgen kann. Wir waren erst gegen Mittag am Hafen – ein grosser Fehler. Schon die LKW-Schlange, um überhaupt ins Gelände zu kommen, kostete uns die ersten 90 Minuten Wartezeit. Als wir endlich einen Parkplatz zugewiesen bekommen, stehen wir mit rund 30 Chauffeuren vor dem Gebäude für die Anmeldung. Vier Stunden später ist noch gar nichts passiert. Das Hafenpersonal erklärt uns, dass es keine Parkplätze frei hat im Hafengelände – die LKWs müssen zuerst entladen werden, vorher werden keine neuen Anmeldungen entgegengenommen. Nachdem das Personal endlich begreift, dass wir eine private Abgabe haben, konnten wir uns doch noch vordrängeln. Wir bekommen einen Badge für die Einfahrt sowie die nötigen Papiere. Auf einem Parkplatz im Hafengelände müssen wir erneut warten. Nach einer Stunde taucht ein Mitarbeiter auf und führt uns zum Abstellplatz. Dann geht es schnell; Innerhalb zehn Minuten ist die Abnahme erledigt. Eine Inspektion des Innenraumes findet nicht statt. Die Kabine dürfen wir abschliessen und den Schlüssel behalten. Nachdem das Schiff in See gestochen ist, wird die Rechnung gestellt für die Verschiffungskosten. Zudem erhält man einen Link für das Tracking des Schiffes.

Temporäre Importpapiere (TIP)

Einige Tage vor Ankunft des Schiffes werden wir morgens um 08:00Uhr ins Office unserer Agenten (Luis & Claudia von CEVERTAM) aufgeboten. Nachdem Sie die Pässe und Fahrzeugpapiere kopiert haben, fahren wir mit dem Bus zur Bank. Wir wurden bereits vorgewarnt, dass dieser Prozess zwei bis sechs Stunden dauern kann. Die Schlange vor der Bank ist riesig – es gibt nur einen Schalter, welcher Importpapiere ausstellt. Pro Kunde muss eine Stunde gerechnet werden. Das erste Mal, wo wir glücklich sind, unsere Agenten zu haben. Diese stellen sich nämlich in die Schlange, während wir in einem Café warten. Zwei Stunden später werden wir kontaktiert; wir können zur Bank, um den Prozess fortzuführen. Dort geht die Warterei erst richtig los – wenigstens im klimatisierten Innenraum. Als wir an der Reihe sind, dauert es rund eine Stunde. Es wird auch eine Inventarliste verlangt, welche wir gemeinsam erstellen. Warum Sie dies nicht im Vorfeld verlangen, ist uns ein Rätsel. Ebenso der Zweck. Gemäss Auskunft wird anhand dieser die Zollinspektion durchgeführt – was dann jedoch nicht der Fall war. Nachmittags um 15:00Uhr ist es geschafft; die temporären Importpapiere (TIP) wurden ausgestellt. Während 10 Jahren darf das Fahrzeug nun im Land bleiben. Verlassen wir Mexiko, können wir die TIP entweder “deaktivieren” oder “sistieren” – je nachdem, ob eine weitere Einreise nach Mexiko geplant ist. Die Kosten für die Permit betrugen 60USD. Die TIP mit QR-Code muss bei Polizeikontrollen auf Verlangen vorgewiesen werden. Einen Aufkleber für die Windschutzscheibe gibt es nicht mehr. Das Deposit für das Fahrzeug ist in unserem Falle nicht fällig, da unser Fahrzeug der Kategorie “Wohnmobil” angehört.

Zollinspektion

Nach Anlegen des Frachters ist die Zollinspektion fällig. Gemeinsam mit den Agenten fahren wir zum Hafen. Mit dem im Voraus erstellten Permit (Kopien der Krankenversicherung & Pässe mussten abgeliefert werden) kommen wir durch den Sicherheitsbereich, in welchem die Tasche gescannt wird. Kamera und Laptops sind nicht gestattet – Handy hingegen schon. Ausserdem darf der Hafen nur mit langen Hosen, geschlossenen Schuhen und Schulterbedeckung betreten werden. Beim Fahrzeug angekommen, müssen wir die Garage und Aussenstauräume komplett entleeren. Eine Zollbeamtin fotografiert die Auslegeordnung sowie jede Schublade des Innenraums. Anschliessend ist der Drogenspürhund an der Reihe. Das Material, die Leerräume sowie der Innenraum werden auf Drogen untersucht. Nachdem er alles zu seiner Zufriedenheit ab geschnüffelt hat, dürfen wir das Fahrzeug wieder einräumen. Ein Wehrmutstropfen ist, dass das Fahrzeug im Hafen bleiben muss, bis alle Papiere ausgestellt sind. Zwei Tage später dürfen wir es aus dem Hafen rausfahren. Von Abgabe in Bremerhaven bis zur Wiedervereinigung dauerte es in unserem Falle 30 Tage. Die Verschiffung ist ohne einen Kratzer und ohne Verluste über die Bühne. Die Bedenken der riskanteren Route nach Mexiko sind ausgeräumt – die Erleichterung und Freude ist gross.

Carnet de Passage

Das “Carnet de Passages” ist ein internationales Zolldokument, welches eine temporäre Einfuhr eines Motorfahrzeuges in verschiedene Länder der Welt erlaubt. An einigen Grenzen kann es die Abwicklung erleichtern. In gewissen Ländern ist es Pflicht, um das Fahrzeug temporär einführen zu dürfen. Wo dies der Fall ist, kann auf der Seite des ADAC oder TCS abgerufen werden. Allerdings scheinen diese Informationen nicht aktuell zu sein. Gem. der Seite des ADAC ist es für einige Länder in Südamerika Pflicht. Unzählige Berichte von Reisenden bestätigen jedoch das Gegenteil. Das Carnet soll für Südamerika schon länger nicht mehr vorgeschriebn sein. Würde die Beschaffung nicht mit einigen grösseren Nachteilen versehen sein, könnte es proforma organisiert werden. Allerdings:

    • Die Kosten sind nicht unerheblich. Für Nicht Mitglieder eines Automobilclubs sind es Fr. 330.00 pro Jahr, für Mitglieder Fr. 230.00.
    • Hinzu kommt eine Kaution, welche hinterlegt werden muss, damit das Papier ausgestellt wird. Diese beträgt Fr. 3’000.00 bis zu einem Fahrzeug-Wert von Fr. 9’999.00. Ab Fr. 10’000.00 sind es satte 50% des Fahrzeugwertes.
    • Zudem muss das Dokument zurückgegeben werden. Verliert man es, kommen weitere Kosten hinzu.

    Beantragt werden kann das Carnet de Passage bei Automobil Clubs. Die Gültigkeit beträgt jeweils ein Jahr und kann, sofern das Fahrzeug im Heimatland immatrikuliert ist, von unterwegs aus verlängert werden. Wichtig ist, der Erstantrag muss vor der Reise stattfinden.

    Wir vertrauen auf die Erfahrungen anderer Reisenden und verzichten auf das Carnet de Passage.

    Fahrzeug

    Du möchtest wissen, wie unser Fahrzeug entstanden ist? Den langen Weg vom Feuerwehrfahrzeug zum Expeditionsmobil “Whaly” findest du hier dokumentiert. Von der Fahrzeugwahl über Kabinenaufbau bis zum Innenausbau. Viel Spass!

    Reiseberichte

    Aufgrund Corona führt uns unsere Weltreise ab 2021 vorläufig durch Europa. Doch ob Frankreich oder Spanien,  wir sind positiv  überrascht! Ebenfalls findest du hier die Reiseberichte unserer Weltreise Asien & Australien von 2008 – 2011.

    Vorbereitungen

    Du planst eine Langzeitreise mit einem eigenen Fahrzeug? Der Planungsaufwand dahinter ist nicht zu unterschätzen. Unsere Informationen zum Thema Finanzen, Abmelden, Versicherungen, Gesundheit und vieles mehr findest du hier.

    Ausrüstung

    Ob Mountainbike-Material, Kameraausrüstung oder Campingmaterial; es gibt einige nützliche Dinge, welche nicht fehlen sollten. Mit welchem Material wir reisen und was wir empfehlen können, erfährst du hier.

    Haftpflichtversicherungen

    Ein Abschluss einer Haftpflichtversicherung ist zwingend nötig. Einige Länder verlangen diese bereits vor der Einreise, andere bieten die Abschlussmöglichkeit direkt an der Grenze. Untenstehend findest du einen Zusammenzug über die von uns angefragten Anbieter, Kosten und Erfahrungen.

    Mexiko

    In Mexiko muss die Haftpflichtversicherung vor der Einreise abgeschlossen werden. Die Deckungssummen gehen von $300’000 – $1’000’000 (im Falle von BajaBound). Folgende Angebote erhielten wir (Stand Juni 2021).

    BajaBound

    • Kontakt: www.bajabound.com
    • Kosten: $171.00 für 6 Monate und Deckungssumme von $500’000
    • Abschluss: Kann online abgeschlossen werden. Du erhältst ein Login mit einer guten Übersicht über deine Police.
    • Spezielles: Da wir zweimal in Mexiko einreisen werden, schlossen wir zu einem kleinen Aufpreis eine Versicherung für 360Tage ab ($201.00 anstelle $ 171.00).

    Adventure Mexican Insurance Services

    • Kontakt: www.mexadventure.com
    • Kosten: $194.00 für 6 Monate und Deckungssumme von $500’000
    • Möglichkeiten: Angebot für $300’000 oder $500’000 maximal

    Segurogringo

    • Kontakt: www.segurogringo.com
    • Kosten: $553.00 für 6 Monate und Deckungssumme von $500’000
    • Möglichkeiten: Angebot für $100’000 oder $500’000 maximal

    Alle drei Anbieter schliessen ein Medical-Payment in unterschiedlicher Höhe sowie Abschleppkosten von $ 1’000 mit ein. Die Versicherungen sind nicht gültig für Offroad-Fahrten. Zusätzlich angefragt haben wir MexPro, Sanborns und Mexican Auto Insurance. Von diesen drei erhielten wir jedoch keine Antwort. Entschieden haben wir uns für BajaBound, da Sie auf uns den professionellsten Eindruck machten.